Dipl. körperzentrierte psychologische Beraterin IKP | Dipl. Hypnosetherapeutin NGH

Berufsfelder Psychologie: Psychiater*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Psychologische Berater*innen, Coaches/Life Coaches – wer ist wofür zuständig?

In der Psychologie gibt es zahlreiche Berufe und Tätigkeitsfelder. In meiner Arbeit als psychologische Beraterin mache ich oft die Erfahrung, dass es für viele Personen schwierig ist, die genauen Unterschiede und Zuständigkeiten zu kennen. Die nachfolgenden Begriffserklärungen schaffen Orientierung bei der Suche nach der passenden Unterstützung.

Psychotherapeut*innen

Diese Fachleute haben ein abgeschlossenes Psychologiestudium und eine staatlich anerkannte psychotherapeutische Ausbildung, die im Anschluss ans Psychologiestudium erfolgt. Die psychotherapeutische Ausbildung basiert auf verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren wie z.B: Verhaltenstherapie, systemische Therapie, psychoanalytische Therapie inkl. Selbsterfahrung und Supervision. Ferner beinhaltet die Ausbildung viel Praxisarbeit, damit genügend Erfahrung in der Arbeit mit Patient*innen gesammelt werden kann. Psychotherapeut*innen dürfen selbstständig in eigener Praxis oder im Angestelltenverhältnis (z.B. psychologische Praxen, Krankenhäuser, Beratungsstellen) mit gesunden und psychisch erkrankten Personen arbeiten. Psychotherapeut*innen dürfen im Gegensatz zu den Psychiater*innen jedoch keine Medikamente verschreiben. Die Arbeit konzentriert sich daher auf die Anwendung psychotherapeutischer Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen und Leidenszuständen.

Psychotherapeutische Behandlungen können über die Grund-oder Zusatzversicherung abgerechnet oder selber bezahlt werden.

 

Psychiater*innen

Psychiater*innen sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Ausbildung beginnt mit einem sechsjährigen Grundstudium der Humanmedizin, das mit dem Staatsexamen abschliesst (Eidg. Diplom als Arzt/Ärztin). Danach folgt, nach einem Assistenzjahr, die Fachausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie. Sie dauert mindestens fünf Jahre, schliesst mit der Facharztprüfung ab und erlaubt das Tragen des geschützten Titels: „Facharzt/Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie“.

Psychiater*innen erkennen und diagnostizieren psychische Störungen und Erkrankungen. Sie führen individuelle Behandlungen durch: medikamentöse Therapien wie auch verschiedene Formen der Psychotherapie. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung, überweist der Hausarzt Patienten an den Psychiater zur medikamentösen und/oder psychotherapeutischen Behandlung. Bei verschiedenen psychischen Erkrankungen wie z.B. einer Depression, darf auch der Hausarzt Medikamente verschreiben. Viele Psychiater*innen sind ausserdem in der klinischen und/oder wissenschaftlichen Forschung tätig, um das Verständnis psychischer Erkrankungen zu verbessern und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. Psychiater*innen arbeiten eng mit anderen medizinischen Fachrichtungen und mit Fachkräften aus dem psychosozialen Bereich zusammen, um eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen.

Psychiatrische Behandlungen können über die Grundversicherung abgerechnet werden.

Psychologische Berater*innen

Psychologische Berater*innen können über ein breites Spektrum an psychologischen Ausbildungen verfügen. Sie verwenden Methoden, die auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychologie basieren: Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische, körperorientierte, hypnotherapeutische, gestalttherapeutische oder systemische Therapieansätze. Psychologische Berater*innen sind meist in eigener Praxis tätig. Sie sind, wie es der Name sagt, nicht psychotherapeutisch tätig. Das heisst, sie dürfen keine psychisch erkrankten Menschen behandeln, die beispielsweise an schweren Depressionen leiden, eine Schizophrenie oder Borderline Störung haben oder bipolar sind. Psychologische Berater*innen arbeiten mit psychisch gesunden Menschen, die keine Psychotherapie brauchen oder wünschen. Sie helfen ihnen, emotionale und psychische Belastungen zu verstehen und zu bewältigen, wie z.B. eine schwierige Lebenssituation oder eine persönliche Krise. Sie unterstützen bei Beziehungsproblemen, leisten Hilfe in einem Trauerprozess oder unterstützen in der Persönlichkeitsentwicklung. Psychologische Berater*innen sind Fachleute, die sich gut dafür eignen, im präventiven Bereich tätig zu sein, d.h. bevor es zu einer psychischen Störung oder Erkrankung kommt. Dies betrifft Klient*innen, die sich beispielsweise in ihrem Job erschöpft und unzufrieden fühlen, die aber aus eigener Kraft, mit der Unterstützung einer psychologischen Beratung, an ihrer Situation etwas verändern können. Sie befinden sich an einem Punkt, wo Sie noch kein Burnout und/oder eine Erschöpfungsdepression erlitten haben, welche psychiatrische und psychotherapeutische Unterstützung erfordert.

Psychologische Berater*innen können nicht über die Grundversicherung abrechnen. Die Klient*innen sind meist Selbstzahler. Da sie an keiner psychischen Erkrankung leiden, benötigen sie i.d.R. keine längere Psychotherapie. Nach der genauen Auftragsklärung reichen meistens ein paar Beratungsstunden aus, um ein bestimmtes Thema zu bearbeiten.

Coaches/Life Coaches

Menschen, die ein Coaching in Anspruch nehmen, möchten sich meistens in spezifischen Bereichen persönlich und/oder beruflich weiterentwickeln. Oft stehen das Erreichen von spezifischen Zielen und Fähigkeiten sowie die Verbesserung von Leistungsfähigkeit im Fokus: berufliches Umfeld (Jobcoaching, Managementcoaching), persönliche Entwicklung (Lebenscoaching) oder im Bereich des Sports (Sportcoaching/Mentalcoaching). Coaching verwendet Methoden, die auf Motivation, Zielsetzung und Ressourcenaktivierung basieren. Coaches kommen aus verschiedenen Richtungen; viele verfügen über eine spezifische Coaching-Ausbildung, aber nicht zwangsläufig über eine psychologische. Im Coaching geht es um Leistungsverbesserung, Kompetenz- und Karriereentwicklung und die Erreichung persönlicher Ziele. Im Gegensatz zum Coaching konzentriert sich die psychologische Beratung auf tiefergehende psychische Anliegen, die Förderung von seelischem Gleichgewicht und Wohlbefinden sowie die Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen. Beide Ansätze richten sich somit an unterschiedlichen Bedürfnissen aus.

Ein Coaching wird nicht von der Krankenversicherung bezahlt. Die Klient*innen sind Selbstzahler.